Was ist Atemarbeit?
Sie ist eine ganzheitliche Atemlehre, die sowohl präventiv als auch therapeutisch angewandt wird. Ziel ist es, den natürlichen Atemrhythmus zu fördern und eine seelisch-körperliche Ausgewogenheit zu erreichen.
Von Ilse Middendorf mit dem erfahrbaren Atem begonnen, wurde die Lehre von ihrer Schülerin Erika Kemmann zum bewusst zugelassen Atem weiterentwickelt. Es bedeutet, den Atem wahrnehmen, ohne ihn zu beeinflussen. Das Zulassen bewirkt eine Selbstregulation des Organismus und eine tiefe seelische Ansprache. Verstärkt wird diese noch durch das Üben des Nichtbewertens, wodurch Selbstannahme und Loslassen gefördert werden.
Wie andere Lebensrhythmen unterliegt auch der Atem einem ständigen Wechsel von Aktivität und Ruhe. Die Atemlosigkeit unserer Zeit ist bis in den Atemrhythmus nachverfolgbar. Oftmals fehlt die Atemruhe, die sich in der Ruheatmung natürlich zwischen Aus- und Einatem ergibt. Die Atemruhe wieder zu erlangen, kann zu Gelassenheit wie Lebensfreude führen.
Jeder Mensch hat seinen individuellen Atemrhythmus und seine eigenen Bewegungen. Wodurch sich das persönliche Abändern von Übungen geradezu ergibt. Zu erforschen, wann eine Bewegung mühelos wird, ob man in der Bewegung innerlich anwesend ist, und wie der Atem auf ein Angebot reagiert, gleicht einer spannenden Entdeckungsreise.
Welche Arbeitsweisen gibt es?
Gruppenarbeit
Spür- und Bewegungsübungen im Liegen, Stehen oder Sitzen führen behutsam zum Bewusstwerden des Atems. Alle Übungen sind einfach zu erlernen und unabhängig von Alter, Vorkenntnissen und Konstitution. Gerade Menschen mit Bewegungseinschränkungen erleben oft staunend, wie sich ein neues Körper- und Lebensgefühl einstellt, wie leicht und mühelos Bewegungen werden, wenn diese im Einklang mit dem Atem geschehen.
Es gibt Gruppenangebote, die Kurs-Charakter haben und zeitlich begrenzt sind. Andere Gruppen bieten die Möglichkeit, Atemarbeit als wöchentliche "Verschnaufpause" zu erleben.
Leicht lassen sich die Übungen in den Tagesablauf integrieren. Atemarbeit erfordert keinen speziellen Raum oder Geräte; es reicht ein kurzes Innehalten oder eine bewusste Körperbewegung, um den Atem wahrzunehmen und die Gedanken ruhen zu lassen. Gönnen Sie sich diese Ruhepunkte und erleben Sie, um wie vieles gelassener Sie auf äußere Anforderungen reagieren, wenn Sie mit Ihrem Atem verbunden sind.
Einzelarbeit
Meist erfolgt die Einzelbehandlung im Liegen. Die Atemtherapeutin sorgt für einen ganzkörperlichen Spannungsausgleich, indem sie mit Streichungen, Klopfungen, Dehnungen oder weichem Druck muskuläre Festhaltungen oder blockierte Gelenke löst. Der Liegende, der bekleidet bleibt, nimmt wahr, wie sein Atem auf die geschulten Hände reagiert und wieder freier zu fließen beginnt, sobald sich Spannungen lösen. Und er merkt, wie sich mit dem befreiten Atem ein umfassendes Wohlgefühl einstellt.